Moritz von Egidy
Home Nach oben Mein Weg zu Tolstoi Lyrik/lyrics and more Veranstaltungen Presse Kontakt Impressum

 

Dokumente:

MORITZ   VON   EGIDY   - EDELANARCHIST,  PAZIFIST;  REFORMATOR & WEGWEISER

Klaus Hugler, Moritz von Egidy: 'Ich hab's gewagt', Märkischer Verlag 2001, ISBN 3-931329-31-3

Auch über www.maerkischerverlag.de zu beziehen

Zur Person

Ein Interview

Nachruf von Erich Mühsam

Stimmen

 

Moritz von Egidy wurde im Jahre 1847 in Mainz geboren, verbrachte seine Kindheit in Potsdam, besuchte die Kadettenanstalt und begann eine glanzvolle Militärkarriere.

     Im Jahre 1890 forderte er in den "Ernsten Gedanken" einen Umbau der Gesellschaft, mußte infolge dessen als Oberstleutnant seinen Abschied vom Militär nehmen.

  Nachfolgend wurde er zu einem Wegweiser in eine neue Zeit ohne Gewalt: so für die Anarchisten Gustav Landauer und Erich Mühsam, Bodenreformer wie Adolf Damaschke, Pazifisten wie Bertha von Suttner und die sogenannten Volkserzieher, Frauenrechtlerinnen wie Lily Braun und Regine Deutsch, sowie die Freunde der Ethischen Gesellschaft um Friedrich Wilhelm Foerster und den Friedrichshagener Dichterkreis um den Philosophen Bruno Wille und dem Publizisten Wilhelm Bölsche.

 

 

 

 Die Biographie von Klaus Hugler stellt in besonderer Weise die Aktualität der Anschauungen und Gedanken dieses Repräsentanten eines neuen Geistes dar.

 

 

 Norbert von Fransecky von der Märkischen Allgemeinen Zeitung sprach mit dem Autor:

 

MAZ: Warum ein Buch über Egidy?

Hugler: Randfiguren haben mich schon immer interessiert, und herausragende besonders. Und mir sind in Potsdam immer wieder Leute begegnet, die einen anderen Geist von  Potsdam gesucht haben, nicht nur den von 1933 - vielleicht sogar einen antimilitaristischen.

 

MAZ: Wie sind Sie Auf Egidy gestoßen?

Hugler: Das erste Mal ist er mir im den 70er Jahren in den Lebenserinnerungen der Bertha von Suttner begegnet. Dann habe ich Mitte der 80er Jahre den Gedenkstein auf dem Alten Friedhof in Potsdam entdeckt. 1996 kam der Anstoß eine Biographie zum 100. Todestag zu verfassen.

 

MAZ: Können Sie die Gestalt Egidys mit drei Stichworten charakterisieren?

Hugler: Liebe als politisches Prinzip, Ehrlichkeit und Absage an jeglichen Opportunismus.

 

 - gekürzt -

Die Nacht brach an. Die Sonne sank zu Thal.
Die friedebringend, leuchtendwarm geschienen
Erloschen ist ihr heiter, milder Strahl,
vorbei die Feuerglut, der Welt zu dienen.
Sie flammte uns zum letzten, letzten Mal,
und sie verschwamm, verglomm vor unsren Sinnen.
Verhüll' dein Haupt, du Welt voll Haß und Zank,
Verhüll' dein Haupt, die Friedenssonne sank.
 
Nacht ist's. Im nächt'gen Dunkel kämpft und ringt
Der Erdensohn sein mühevolles Leben;
Daß alles unter seinen Bann er zwingt,
 daß alles er besiegt, das ist sein Streben.
Sein Kampfruf dröhnend durch das Weltall klingt,
denn außer ihm darf's keinen Starken geben.
Kein Sonnenstrahl mehr schützt sein Hab und Gut,
er schirmt es selber durch Gewalt und Blut.
 
Nacht ist's. Das Kampfestosen heulend gellt
Jach durch der Finsternis entsetzlich Grauen.
Für sein erbärmlich Leben in der Welt
Schlägt jeder um sich wie mit Tigerklauen.
Kommt nie die Stunde, wo der Morgen hellt?
Soll nie des Tages Himmel wieder baleuen?
   Soll nie der Friedenssonn' erloschner Strahl
Sich wieder senken auf das Erdenthal? -
 
Noch ist es Nacht. Doch ferne, fern schon glimmt
Ein Fünklein, das vom Sonnenstrahl entzündet
Still seinen Weg durch Herzenstiefen nimmt,
Bis es den Pfad zur hellen Flamme findet.
Es lodert auf! Hinan zum Himmel klimmt
Das Feuer, das Egidy uns verkündet -
Und über'm Erdreich tönt Aeonen lang
Hell, weltbeglückend Friedensglockenklang.
 

Wir Deutschen schließen mit unserer politischen Weisheit in Lob und Tadel gleich schwach ab; recht gut sind mir nur v. Egidy und Max Nordau erschienen.

Theodor Fontane, 1895

Der obige Satz: "Wo er sich hinstellte, dort blieb er stehen" ist eigentlich unrichtig, denn von dieser Stelle ging Egidy  Schritt für Schritt weiter ... Dabei brauchte er das Fundament seines Strebens keinen Augenblick zu verleugnen; die Losung, der er folgte, hieß nach wie vor bis zuletzt:: "Religion nicht mehr neben unserem Leben, unser Leben selbst Religion". Nur hieß seine Religion nicht mehr "Nur Christentum", sondern der Drang zum Guten, die innere Weihe, das Streben nach Erkenntnis, nach Entwicklung. "Liebe ist Kraft" - das war ein anderes der Egidyschen Leitworte.

Bertha von Suttner, 1908

Die  Bezeichnung Demokrat hätte er wohl abgelehnt; denn er liebte keinen Ausdruck, der mit "Herrschaft", also auch Volksherrschaft, zusammenhing.

Rudolf Penzig, 1908

Erfahrung heißt v. Egidy ... Als ich da nähere Wirken des Mannes mit ansah ...war mir ein beglückendes Lächeln näher als ein kritisches Lachen. Und solch einer  ... .könnte ein Werdender sein.

Gustav Landauer, 1917

 

 

Copyright © 2008 Frank Bürger, v. i. S. d. P.