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Moritz von Egidy
wurde im Jahre 1847 in Mainz geboren, verbrachte seine Kindheit in
Potsdam, besuchte die Kadettenanstalt und begann eine glanzvolle
Militärkarriere.
Im Jahre
1890 forderte er in den "Ernsten Gedanken" einen Umbau der
Gesellschaft, mußte infolge dessen als Oberstleutnant seinen
Abschied vom Militär nehmen.
Nachfolgend
wurde er zu einem Wegweiser in eine neue Zeit ohne Gewalt: so für
die Anarchisten Gustav Landauer und Erich Mühsam, Bodenreformer wie
Adolf Damaschke, Pazifisten wie Bertha von Suttner und die sogenannten
Volkserzieher, Frauenrechtlerinnen wie Lily Braun und Regine Deutsch,
sowie die Freunde der Ethischen Gesellschaft um Friedrich Wilhelm
Foerster und den
Friedrichshagener Dichterkreis um den Philosophen Bruno Wille und dem
Publizisten Wilhelm Bölsche.
Die Biographie
von Klaus Hugler stellt in besonderer Weise die Aktualität der
Anschauungen und Gedanken dieses Repräsentanten eines neuen Geistes dar.
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Norbert von Fransecky von der Märkischen
Allgemeinen Zeitung sprach mit dem Autor:
MAZ: Warum ein
Buch über Egidy?
Hugler: Randfiguren haben mich schon immer
interessiert, und herausragende besonders. Und mir sind in Potsdam immer
wieder Leute begegnet, die einen anderen Geist von Potsdam gesucht
haben, nicht nur den von 1933 - vielleicht sogar einen
antimilitaristischen.
MAZ: Wie sind Sie Auf Egidy gestoßen?
Hugler: Das
erste Mal ist er mir im den 70er Jahren in den Lebenserinnerungen der
Bertha von Suttner begegnet. Dann habe ich Mitte der 80er Jahre den
Gedenkstein auf dem Alten Friedhof in Potsdam entdeckt. 1996 kam der
Anstoß eine Biographie zum 100. Todestag zu verfassen.
MAZ: Können Sie
die Gestalt Egidys mit drei Stichworten charakterisieren?
Hugler:
Liebe als politisches Prinzip,
Ehrlichkeit und Absage an jeglichen Opportunismus.
- gekürzt - |
Die Nacht brach an. Die Sonne sank zu Thal.
Die friedebringend, leuchtendwarm geschienen
Erloschen ist ihr heiter, milder Strahl,
vorbei die Feuerglut, der Welt zu dienen.
Sie flammte uns zum letzten, letzten Mal,
und sie verschwamm, verglomm vor unsren Sinnen.
Verhüll' dein Haupt, du Welt voll Haß und Zank,
Verhüll' dein Haupt, die Friedenssonne sank.
Nacht ist's. Im nächt'gen Dunkel kämpft und ringt
Der Erdensohn sein mühevolles Leben;
Daß alles unter seinen Bann er zwingt,
daß alles er besiegt, das ist sein Streben.
Sein Kampfruf dröhnend durch das Weltall klingt,
denn außer ihm darf's keinen Starken geben.
Kein Sonnenstrahl mehr schützt sein Hab und Gut,
er schirmt es selber durch Gewalt und Blut.
Nacht ist's. Das Kampfestosen heulend gellt
Jach durch der Finsternis entsetzlich Grauen.
Für sein erbärmlich Leben in der Welt
Schlägt jeder um sich wie mit Tigerklauen.
Kommt nie die Stunde, wo der Morgen hellt?
Soll nie des Tages Himmel wieder baleuen?
Soll nie der Friedenssonn' erloschner Strahl
Sich wieder senken auf das Erdenthal? -
Noch ist es Nacht. Doch ferne, fern schon glimmt
Ein Fünklein, das vom Sonnenstrahl entzündet
Still seinen Weg durch Herzenstiefen nimmt,
Bis es den Pfad zur hellen Flamme findet.
Es lodert auf! Hinan zum Himmel klimmt
Das Feuer, das Egidy uns verkündet -
Und über'm Erdreich tönt Aeonen lang
Hell, weltbeglückend Friedensglockenklang.
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Wir Deutschen
schließen mit unserer politischen Weisheit in Lob und Tadel gleich
schwach ab; recht gut sind mir nur v. Egidy und Max Nordau erschienen.
Theodor Fontane, 1895
Der obige Satz:
"Wo er sich hinstellte, dort blieb er stehen" ist eigentlich unrichtig,
denn von dieser Stelle ging Egidy Schritt für Schritt weiter ... Dabei
brauchte er das Fundament seines Strebens keinen Augenblick zu
verleugnen; die Losung, der er folgte, hieß nach wie vor bis zuletzt::
"Religion nicht mehr neben unserem Leben, unser Leben selbst Religion".
Nur hieß seine Religion nicht mehr "Nur Christentum", sondern der Drang
zum Guten, die innere Weihe, das Streben nach Erkenntnis, nach
Entwicklung. "Liebe ist Kraft" - das war ein anderes der Egidyschen
Leitworte.
Bertha von Suttner, 1908
Die Bezeichnung Demokrat hätte er wohl abgelehnt;
denn er liebte keinen Ausdruck, der mit "Herrschaft", also auch
Volksherrschaft, zusammenhing.
Rudolf Penzig, 1908
Erfahrung heißt v. Egidy ... Als ich da nähere
Wirken des Mannes mit ansah ...war mir ein beglückendes Lächeln näher
als ein kritisches Lachen. Und solch einer ... .könnte ein Werdender
sein.
Gustav Landauer, 1917
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